Die Geschichte des Tübinger Lichtenstein

1873 Gründung eines Stiftskreises am 29. Juni als Alternative zu elitären Corps und konservativen Burschenschaften durch acht Stiftler
Grundsätze: Persönliche Freundschaft und Achtung
 
1877 Erster Spuz zur Burg Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb an Himmelfahrt
Namenswahl: Lichtenstein
1880 Festlegung der Statuten: „Freiheit, Freundschaft, Wissenschaft“, Ablehnung von Duell und Couleur
1882 Eintragung der „Gesellschaft Lichtenstein“ bei der Universität
1888 Wappen: Weiße Adlerschwinge auf blauem Grund (Adlerflug), das Originalwappen einer ausgestorbenen Linie des Hauses Lichtenstein bei Honau, Farben: weiß-blau (öffentlich nicht getragen)
  Adlerflug CP
1902 Bezeichnung „Verbindung“
„Altenverein der Tübinger Verbindung Lichtenstein e.V.“ gegründet zum Zweck des Hausbaus
1904 Kauf des Bauplatzes am Österberg
1908 Einweihung des Jugendstil-Hauses auf dem Österberg
1914 Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Alle Mitglieder werden eingezogen bis auf einen und den Hausmeister, Verbindungsleben kommt zum Erliegen
1919 Verbindungsleben wird wieder aufgenommen. Der Altenverein wird von einem Ausschuss geleitet.
1933 Einführung des „Führerprinzips“. Lichtensteinerhaus wird Kameradschaftsheim
1934 Eintritt in den „Coburger Convent“. Lichtenstein wird Landsmannschaft. Auflösung der Lichtensteiner Aktivitas auf Anordnung der NSDAP
Gründung des Bundes Alter Tübinger Lichtensteiner (BATL e. V.)
1937 Gründung der „Kameradschaft Yorck“ als Untergliederung des NS-Studentenbundes aus Mitgliedern verschiedener Verbindungen
1942 Enteignung des Hauses durch die NSDAP
1945 Haus wird französisches Offizierskasino
1948 Erster Nachkriegskonvent und Neubegründung der „Akademischen Verbindung Lichtenstein“
1949 Erhebung einer Restitutionsklage zur Wiedererlangung des Hauses auf dem Österberg
1950 Erster Lichtensteinspuz an Himmelfahrt nach dem Krieg
1951 BATL e. V. lehnt Beitritt zu Landsmannschaften ab. Aktivitas tritt einem Zusammenschluss nichtschlagender Verbindungen bei.
1952 Rückgewinnung des Hauses auf dem Österberg
1954 Erster „Lichtensteinerfasching“
1955 Anschaffung des ersten Stocherkahns
1956 Zwei junge Lichtensteiner kommen auf die Idee, sieben andere stocherkahnbesitzende Verbindungen zu einem Rennen einzuladen. Beim ersten Stocherkahnrennen im Juni 1956 gewinnt das Team des Tübinger Lichtenstein. Die damals festgelegten Regeln sind längst Tradition und das Rennen inzwischen ein überregionales Event.
1968 Politisches Engagement im Rahmen der Studentenbewegung führt zu Umgestaltung und Abspaltung sowohl in der Aktivitas als auch im BATL e. V.
1970 Die Frage der Aufnahme von Studentinnen tritt immer mehr hervor. Weitere Auseinandersetzungen und Abspaltungen sind die Folge
1975 Gründung des gemeinnützigen Vereins zur Erhaltung des Lichtensteiner Hauses e. V.
1976 Konstituierung der „Gruppe Lichtenstein“ mit Studentinnen als Mitgliedern. Sonderkonvent des BATL e. V. in Stuttgart zur Frage „ Auflösung der Verbindung“. Ein Satzungsausschuss wird eingesetzt mit paritätischer Besetzung aus Altenbundmitgliedern und Aktivitasmitgliedern.
1978 Sonderkonvent des BATL e. V. zur Frage der Aufnahme von Studentinnen. Es wird keine Satzungsänderung erreicht. Der Vereinsvorsitzende tritt zurück. Die „Gruppe“ verlässt den Lichtenstein.
1979 Neubegründung der Aktivitas der Akademischen Verbindung Lichtenstein als nichtselbständiger Verein. Neue Festlegung der Grundsätze und Ziele.
1980 Beginn der Instandsetzung des Hauses und der Ausbau neuer Zimmer, vorwiegend in Eigenarbeit. Der letzte Hausmeister zieht aus.
1981 Ausbau von fünf neuen Zimmern im Keller und drei neuen Zimmern in den Obergeschossen
1982 Aufnahme von weiblichen Mitgliedern in den BATL e.V. wird mit großer Mehrheit angenommen. Erste Halloween-Party. Politische Debatten im Rahmen der Nachrüstung sind Anlass für Auseinandersetzungen.
1983 Lichtensteiner-Film „Zimmer mit Ausblick auf Mehr“ erhält den städtischen Filmpreis. Lichtensteiner Theaterproduktion „Die Physiker“. Die Hausbewohner/-innen übernehmen Aufgaben im Bereich der Hausverwaltung.
1985 ff Weitere Lichtensteiner Theaterproduktionen: Hexenjagd, Antrittrede, Tango, Striptease und Treibhaus
1989 Einsturzgefahr des Saalbodens führt zu einer Großbaustelle auf der Saal- und Küchenebene
1990 Die Grundsätze und Ziele des jungen Tübinger Lichtenstein werden neu erarbeitet. Das Landestheater Tübingen führt das Theaterstück Liebfrauenmilch im Saal auf.
1992 Begründung der Lichtensteiner Kleinkunstabende
1993 120 Jahre Tübinger Lichtenstein mit Herausgabe einer Festschrift. Eine erweiterte Hausselbstverwaltung wird eingeführt.
1999 Einführung der studentischen Mitgliedschaft im BATL e. V.
2002 Ganztägiges Lichtensteiner Zukunfts-Symposium zu Grundsatzfragen „Quo vadis Lichtenstein“
Der akademische Charakter bleibt erhalten
2007 Einführung eines externen Hausmeisters in Kooperation mit den Aktiven
2008 Sonderkonvent des BATL e. V. Eine größere Gruppe verlässt das Haus.
Feier anlässlich 100 Jahre Lichtensteinerhaus
2021 Zum ersten Mal in der Lichtensteiner Geschichte werden alle Vereinsvorstandsposten für die nächsten vier Jahre mit Frauen besetzt, u. a. der Vereinsvorsitz
2023 Der Tübinger Lichtenstein feiert sein 150-jähriges Bestehen
heute Der Altenverein hat zahlreiche Mitglieder, das Leben im Haus ist nach wie vor einzigartig und Veranstaltungen wie der Maskenball, der Bunte Abend und andere lassen den Saal erstrahlen.
Wie wir uns definieren und was uns umtreibt, das diskutieren wir immer wieder neu.